Sexualtherapie

Was ist Sexualberatung, was ist Sexualtherapie?

Sexualität ist ein Thema, das im wahrsten Sinne des Wortes fast jeden bewegt. Obwohl heute öffentlich darüber gesprochen werden darf, bleibt es ein heikler, meist schambesetzter Bereich, vor allem dann wenn es um sexuelle Probleme geht. Dabei hat sexuelle Gesundheit eine große Bedeutung für die allgemeine Lebensqualität, Lebenszufriedenheit und seelische Gesundheit. Sexuelle Probleme sind nichts Ungewöhnliches und kommen bei Frauen, Männern und Paaren häufiger vor als allgemein angenommen wird.

Eine Sexualtherapie hilft bei Schwierigkeiten mit dem eigenen Sexualleben oder bei Störungen, die sich im Sexualverhalten und Sexualerleben widerspiegeln. Sexuelle Störungen sind beispielsweise dann vorhanden, wenn

  • Sexualität nicht mehr genussvoll erlebt oder über einen längeren Zeitraum vermieden wird
  • Ihr Körper nicht mehr auf Berührungen oder erotische und sexuelle Fantasien reagiert
  • Sie zwar zunächst erregt sind, aber ab einem gewissen Zeitpunkt die Erregung wieder verschwindet
  • Sie über einen längeren Zeitraum keine Lust auf Sexualität verspüren
  • Sie Schmerzen bei sexuellen Aktivitäten verspüren
  • Sie sich behindert fühlen oder gehindert werden, Ihren sexuellen Wünschen nachzukommen.

Sexuelle Schwierigkeiten können auch Symptom einer körperlichen/organischen oder psychischen Erkrankung sein. Daher ist der Ausschluss einer organischen Ursache beispielsweise durch einen Gynäkologen oder Urologen am Beginn einer Sexualtherapie wichtig. Auch kann die sexuelle Problematik Folge einer Beziehungsdynamik sein.

Nicht jedes sexuelle Problem erfüllt den Schweregrad oder die Komplexität für eine sexuelle Störung. Daher erstreckt sich im verhaltenstherapeutischen Setting die Bandbreite von beratenden Interventionen bei einzelnen Fragestellungen bis hin zu einer fokussierten Sexualtherapie.

 

In einer Sexualberatung (etwa 2-5 Termine) kann Ihnen Wissenswertes vermittelt werden, es können moralische Einstellungen und Blockierungen gemeinsam überprüft und Ängste, vielleicht nicht normal zu sein,  genommen werden. Eine Sexualberatung ist daher sinnvoll

  • bei erst kurz bestehenden sexuellen Problemen
  • bei sexuellen Problemen, die erst im Zusammenhang mit anderen belastenden Lebensereignissen entstanden sind
  • bei sexuellen Problemen, die bei aktuellen Erkrankungen auftauchten
  • bei sexuellen Problemen, die durch Neuerungen in ihrem Leben wie Schwangerschaft und Geburten entstanden sind.

Eine Beratung ist aber auch dann nützlich, wenn Sie eine gute Partnerschaft leben und Ihr Problem nur darin besteht, sexuelle Wünsche und Abneigungen nicht aussprechen zu können.

 

Eine längerfristige Sexualtherapie ist dann angezeigt, wenn

  • Ihre sexuellen Probleme schon immer oder, obwohl Sie versucht haben, etwas zu ändern
  • länger als ein halbes Jahr vorhanden sind
  • bei längerer Vermeidung von Sexualität
  • bei übermäßig sexuellen Bedürfnissen und gegebenenfalls diesbezüglicher Internetabhängigkeit
  • bei schweren Konflikten in der Partnerschaft, die Auswirkungen auf die Sexualität haben
  • und wenn Sie unter Ihrem Problem leiden.

Eine Sexualtherapie kann stattfinden als:

  • Einzeltherapie
  • Einzeltherapie unter Einbeziehung des Partners
  • Paartherapie unter Einbeziehung beider Partner
  • Gruppentherapie.

Welche therapeutischen Verfahren gibt es?

Sexuelle Probleme können entsprechend den allgemeinen Methoden der Verhaltenstherapie sowie mit spezifischen sexualtherapeutischen Interventionen behandelt werden durch:

  • körperorientierte Verfahren zur körperlichen und sexuellen Selbsterfahrung
  • kognitive Verfahren, z.B. zur Bearbeitung von Informationsdefiziten und von Mythen, zum Abbau von Versagens- und Leistungsängsten, zur Aufmerksamkeitslenkung, zum Abbau negativer automatischer Gedanken
  • Imaginative Verfahren, z.B. zur Veränderung negativer Gefühle, zur Förderung positiven Erlebens
  • Soziales Kompetenztraining, z.B. zum Aufbau und Gestaltung von sozialen Beziehungen, zum Äußern von Wünschen und Bedürfnissen
  • Genusstraining, z.B. zum Aufbau und zur Förderung genussvoller Aktivitäten und genussvollen Verhaltens
  • Verfahren und Übungen zur Emotions – und Erlebnisaktivierung
  • Themenbezogene Medien, z.B. Bücher, Filme, Broschüren